Mit Mohnblüten betreibt er Alchemie in der Malerei

Bern: 6. März bis 4. April 2010

Die Galerie Christine Brügger zeigt zurzeit schwebende Gegenstände, mysteriöse Porträts und «Trompe-l’œils». Der mexikanische Künstler Ricardo Carbajal Moss (65) liebt wie einst die Renaissance-Künstler Geheimnisse.
 

Poppies, 2009
Acryl auf Plexiglas
53 x 30 cm


 


Woman 10, 2010
Acryl auf Holz
30 x 20 cm


 


She Said Yes the First Time, 2010
Acryl auf Leinwand
100 x 60 cm


 

 

Galerie Christine Brügger
Kramgasse 31
3011 Bern
Tel: +41 31 311 90 21
Fax: +41 31 312 16 50
www.christinebruegger.ch

 

Ricardo Carbajal Moss
8532 Warth
www.ricardocarbajalmoss.com

 

Eine Porträtgalerie mit kleinen Frauengesichtern auf dunklem Grund lädt zum Spekulieren ein: Die Damen lassen sich weder zeitlich noch örtlich klar einordnen, wenige Accessoires, wie ein Hut oder ein Schleier, oder auch Symbole wie eine Kirsche oder eine Eichel, lassen Schlüsse auf ihre Vorlieben oder Berufe zu. Es sind fiktive Persönlichkeiten, der Fantasie des Symbolisten Ricardo Carbajal Moss entsprungen, der seine verschlüsselten Motive so präzise malt wie einst die alten Meister. Bereits in Gemälden der Renaissance und des Manierismus gab es ein intellektuelles Publikum, das sich daran erfreute, in Bildern Geheimnisse oder versteckte Bedeutungen zu entdecken und Sinnestäuschungen, so genannte «Trompe-l’œils», schätzte. An diese Tradition knüpft der in Mexiko geborene, lange Zeit in Kalifornien lebende und nun in der Ostschweiz ansässige Künstler Ricardo Carbajal Moss an. Er stellt die Frauen vor, als gäbe es sie wirklich. «Das ist Rominia, sie kommt aus Rom und lebte 2000 Jahre vor Christi Geburt». Mit Bleistift hat er bei jeder Porträtierten ein paar Sätze zu Leben und Persönlichkeit hingekritzelt.

Die morgenländisch anmutende Yoko ist Hutmacherin, Maliza die Mutter von fünf Hexenmeistern. Manche Figuren haben eine entblösste Brust wie man es von Madonnendarstellungen kennt, andere wirken durch leicht asymmetrische Gesichtszüge oder einem im Dunklen liegenden Auge ziemlich unheimlich. «She ist not happy», ergänzt Moss bei der einen oder anderen Gestalt. Alle Porträts wirken, als hätte man sie mit einem Klebestreifen auf dem Bildhintergrund befestigt. Das ist eine gekonnte optische Täuschung: Das alles ist reine Malerei.

Starke Symbole
Kirschen, ebenso wie ganze Kirschbaumäste, tauchen häufig in Ricardo Carbajal Moss’ Werk auf. Als er als junger, Hermann Hesse lesender Hippie für ein Kunststipendium nach Wisconsin kam, gab es dort Kirschen in Hülle und Fülle. «Ich ass diese Früchte morgens, mittags und abends», erzählt er lachend. In seiner Kunst setzt er sie als Symbole der Lust, der Leidenschaft, aber auch der Vergänglichkeit ein. Moss malt «de natura», sprich sehr genau nach realen Vorbildern. Einmal brach er mitten in der Nacht, mit klopfendem Herzen, einen Kirschbaumast auf dem Gelände eines Bauers ab. «Der Adrenalinschub war zwar interessant, aber ich werde das nicht wieder tun», verspricht Moss.

Schwebende Objekte
Seine Mohnblumen, Vogelnester oder Steine stellt er übersteigert, hyperrealistisch dar. Doch er betont, kein Fotorealist zu sein, da er sich oft kleine Freiheiten nehme oder Farben verändere. Der Einfluss von Salvador Dalí oder René Magritte wird in diesen an Traumsequenzen erinnernden Darstellungen deutlich. Bei seinen neuesten Gemälden, die er in der Galerie Christine Brügger  gemeinsam mit Arbeiten von Onur und Thomas Blank präsentiert, lässt er die Schatten gänzlich weg, sodass der Eindruck entsteht, die Gegenstände schwebten auf dem Malgrund. Die Schwerelosigkeit setzt er auch mit Hilfe von Skulpturen, bestehend aus mehreren übereinander geschichteten Plexiglaswänden um, hinter denen gemalte Objekte wie Kirschen auf Kissen oder Mohnblumen liegen. Bei den Mohnblumen wird es magisch: Dreht man die Skulptur um, blühen sie einmal rot und einmal gar nicht. «Alchemie der Malerei» nennt Moss solche Spielereien.

Helen Lagger  

 

Berner Zeitung AG
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12.03.2010
Helen Lagger / BernerZeitung BZ

 

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